Lebenszeichen per Videostream – Die „Ludwig Seuss Band“ trat zu den „Jazz & Blues Open“ in der Jegelscheune auf.

Sie können den Mitschnitt von diesem Konzert nun auf Youtube anschauen.

Text von Hans von Draminski (NZ) vom Dienstag, 04.02.2021:

WENDELSTEIN – „Ich bin mal gespannt, ob ich noch E-Gitarre spielen kann“, sagt Christoph „BeBof“ Böhm. Und meint es nur halb im Scherz. „Seit Oktober habe ich nicht mehr gespielt“, sagt der Gitarrist der Ludwig Seuss Band ein paar Minuten, bevor das Streaming-Konzert in der Jegelscheune beginnt.

„Nervös bin ich schon“, meint Festival-Macherin Andrea Söllner, Chefin des „Blues & Jazz Open Wendelstein“, das pandemiebedingt schon zum zweiten Mal in Folge aussetzen muss. In einem normalen Jahr ohne Corona wäre der 1. Mai Open-Air-Tag gewesen, Menschentrauben hätten um die Bühne am Wendelsteiner Marktplatz gestanden und gesessen und bei freiem Eintritt hochkarätigen Gruppen gelauscht.

Die Bratwurst, sie musste in diesem Jahr daheim auf den Grill, das Bier kam aus dem eigenen Kühlschrank und statt harter Bierbank gab es idealerweise eine weiche Wohnzimmercouch. Um ein gepflegtes 90-Minuten-Konzert des Mannes zu erleben, der seit Gründungszeiten zu den Dauergästen des Festivals gehört und schon in Wendelstein auftrat, als der Konzertreigen noch „New Orleans Festival“ hieß. Die Musik der Jazzmetropole in Louisiana pflegt Pianomann Ludwig Seuss bis heute – aus eigener Feder oder von Jazzgrößen wie Antoine „Fats“ Domino oder Duke Ellington.

Spurlos sind Krise und monatelanger Lockdown weder an Ludwig Seuss und seiner Band – außer Gitarrero Böhm noch Basser Tom Peschel und Schlagzeuger Peter Kraus sowie Spezialgast „Dr. Will“ aus München am Gesangsmikro – noch an dem Team hinter Kamera und Mischpult vorbeigegangen. „Ich war seit gut einem Jahr nicht mehr in der Jegelscheune“, erklärt Andrea Söllner.

Kleiner Konzertort

Und weil die ein vergleichsweise kleiner Konzertort ist, in dem es auch ohne Publikum schwierig werden könnte, den im Infektionsschutzgesetz vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten, schob Wendelsteins Apotheker Manfred Kohlhas eine Feiertags-Sonderschicht und sorgte dafür, dass Band und Team vor dem Streaming-Konzert Corona-Schnelltests bekamen – durchwegs mit negativen Ergebnissen.

Wenn Ludwig Seuss, Stammpianist der „Spider Murphy Gang“, zum Auftakt eine treibende Boogienummer in die Tasten stemmt, wirkt er ganz entspannt. Auch wenn nur die Augen mehrerer Kameras auf die Band gerichtet sind, auch wenn das reale Feedback des Publikums – von Chatbeiträgen der weit über 200 Menschen, die zuschauen, einmal abgesehen – fehlt, lässt die „Ludwig Seuss Band“ es dennoch krachen wie beim Open Air. „Das wäre dieses Jahr sowieso ins Wasser gefallen“, lächelt Wendelsteins Festival-Leiterin Andrea Söllner angesichts des harten Regens, der schon seit der Mittagszeit gegen die Fenster der Jegelscheune schlägt.

Dennoch will sie nächstes Jahr das Festival wieder in gewohnter Form präsentieren: „Trotz zweimaliger Verschiebung haben wir das Line-up von 2020 weitgehend nach 2022 retten können“, berichtet die Kulturmanagerin. Dann sind voraussichtlich auch Ludwig Seuss und seine Gruppe wieder mit an Bord.

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